Dienstag, 23. Juni 2015

Innerliches Tauziehen

So langsam rennt mein Countdown immer weiter nach unten jetzt sind nicht mal mehr zwei Schulwochen übrig bis die Ferien beginnen. In weniger als zwei Wochen muss ich mich von all meinen Freunden verabschieden und mein Alltagsleben hinter mir lassen.


Das ganze fällt mir extrem schwer und führt dazu, dass ich nachts meistens nicht schlafen kann und wenn, dann nur mit Tränen in den Augen. In mir läuft ein ewig langes Bilder Kopf Kino ab mit all den unglaublichen Momenten, die ich hier erlebt hatte und unglaublich tolle Menschen die zu engen Freunden geworden sind. Und ich weiß es ist vorbei. Ich weiß ich muss das ganze hinter mir lassen. Ich will nicht schlafen, weil schlafen bedeutet es ist wieder ein Tag vergangen. Wieder ein Tag weniger bis zu meinem Abflug. Was in mir abläuft ist schwer zu beschreiben, aber ich glaube Tauziehen trifft es am besten. Auf der einen Seite steht Deutschland mein altes Leben, meine Familie und meine Freunde und auf der anderen Seite steht Neuseeland, mein zweites zu Hause, meine Abenteuer, meine Schule, Freunde, Sport,… Und Ich stehe irgendwo zwischendrin als passives Mitglied. Ich habe keinen Einfluss auf das was da Abläuft. Und das schlimmste ich weiß, welche Seite gewinnen wird. Momentan ist Neuseeland noch viel viel stärker, aber sie lassen nach und ganz langsam sieht man, wie sie die Kraft verlieren. Und das Seil immer mehr Richtung Deutschland wandert. Neuseeland versucht sich mit Armen und Füßen zu wehren und gibt alles, aber ich weiß sie werden es nicht schaffen. Es ist vorbei. Ich muss wirklich nach Hause. Sie sagen, man muss gehen, wenn es am schönsten ist. Sie sagen, wenn du nachts nur noch heulend einschlafen kannst, war es ein Erfolg. Aber niemand hat mich vorgewarnt, wie schwer es ist Abschied zu nehmen. Zu wissen, ich kann zwar wieder kommen, aber es wir nie wieder so sein wie es jetzt ist. Meine Freunde werden zur Uni gehen und nie wieder wird es das Fecht- und Cheerleadingteam geben, was wir jetzt haben. Klar gibt es das noch, aber es wird sich verändern. Es wird nicht mehr das gleiche sein. Der beste Moment ist jetzt. Jetzt und wie es war in den letzten 6 Monaten. Und am liebsten will ich einfach die Zeit anhalten. Eine Stoppuhr nehmen auf Pause klicken. 

Lange habe ich versucht nicht an meinen Abflugtermin zu denken. Einfach zu ignorieren, aber es geht nicht. Und als ich letzte Woche von der Schule zum wiederholten Mal aufgefordert wurde endlich die Flugdaten zu bringen stand fest: meine Zeit nähert sich wirklich dem Ende zu und ich muss der Tatsache ins Auge schauen. Auch meine Freunde haben schon unvorstellbarsten Ideen entwickelt, wie sie es schaffen wollen mich hier zu behalten. Aber es wird sind im Endeffekt nichts ändern und auch meine Flugdaten werden sich nicht von Zauberhand um Tage nach hinten verschieben. Die Hobbits werden nicht kommen und meinen Reisepass stehlen und in Neuseeland sieht es nicht so aus als würden die Flugzeugpiloten streiken, wie sie es in Deutschland so gerne machen. Es ist Zeit Abschied zu nehmen und ich muss gerade so arg weinen, dass ich es kaum schaffe, diesen Blog Eintrag fertig zu schreiben. Zwei Wochen hören sich für euch vielleicht viel an, aber wenn ich daran denke, wie schnell das halbe Jahr nur so an mir vorbeigeflogen ist und wie schnell mein Countdown sich Richtung 0 nähert, sind zwei Wochen nichts. Vor allem da ich mein Körper sich dazu entschlossen hat jetzt krank zu sein und ich mit einer dicken Decke und ner Tasse Tee in meinem Bett liege. Aber ich versuche mir einzureden, dass es doch noch ein paar Tage sind und ich gebe mir wirklich Mühe das Beste daraus zu machen. Denn das ist meine Zeit und sie soll so lange wie möglich in meinen Erinnerungen bleiben. Und am Ende von diesem Post bin ich froh, dass ich das nicht mit Tinte geschrieben habe, sonst könnte man jetzt kein Wort mehr lesen.

1 Kommentar:

  1. Oh Barbara, das ist so hart!
    Dein Blog hat mich gerade sehr sehr bewegt.
    Ich konnte kaum weiterlesen...
    Dass dir der Abschied so schwer fällt, konnte keiner auch nur ahnen.
    Und ich freu mich hier in Neudorf zeitgleich so was von, dass du bald wieder da bist und ich bin gleichzeutig sehr traurig darüber, dass es dir beim Gedanken an die Abreise so schlecht geht. Ja klar. Abschied gehört dazu . das war zu lesen... Aber dass es jetzt so emotional ist, jetzt wo man das Ganze erlebt, ist wirklich hart.
    Kopf hoch Barbara! Genieße deine Zeit in Neuseeland. Ich drück dich ganz fest!
    Mama

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