Donnerstag, 11. Juni 2015

„I hate Mufti Day“

Beim Mufti Day handelt es sich um einen besonderen Tag in der Schule an dem man anziehen darf, was man will. Das heißt keine Schuluniform.

Für mich ist das ein Tag, an dem ich morgens am liebsten im Bett geblieben wäre. Warum das? Man gewöhnt sich einfach daran jeden Morgen die Schuluniform anzuziehen und ich fühle mich unglaublich wohl darin. Ich weiß die einige denken jetzt a meinen stylischen grünen Schottenrock und fragen sich, wie man sich jemals darin wohlfühlen kann. Es geht, es geht wirklich ziemlich gut. Und ich mag es einfach, dass jeder gleich aussieht, dass man nicht von oben bis unten abgescannt wird, dass keiner sagt "iii du trägst ja das gleiche wie gestern und vorgestern", dass es kein mobben gibt auf Grund von Klamotten, dass man keine Markenklamotten braucht um dazuzugehören,… Das Thema Schuluniform, eins der meist diskutierten in Deutschaufsätzen. Aber wie ist das wirklich immer eine Schuluniform tragen zu müssen? Es ist einfach toll und ich mag es wirklich. Wenn ich die Macht hätte daran was in Deutschland zu ändern, würde ich sie in ganz überall einführen. Es gibt dir nämlich auch ein Gefühl von Zusammenhalt und Dazugehörigkeit. Das fängt schon morgens im Bus an, wenn man andere Schüler sieht. Du siehst deine Schuluniform und weißt die gehören zu mir, das ist meine große Familie. Man lächelt sich gegenseitig an, umarmt sich, klatscht die Hände ab, obwohl man sich überhaupt nicht kennt. Auch wenn man nach der Schule noch mal schnell in die Stadt geht, trifft man immer Leute von seiner Schule und das ist einfach cool. Meistens fängt man aus dem nichts ein Gespräch an und es gibt immer was zu erzählen, egal wer die über den Weg läuft. Durch die Uniform zeigt man auch, dass man stolz ist auf diese Schule zu gehen. Das ist MEINE Schule. Ich bin ein Teil davon und ich bin stolz darauf die Uniform zu tagen. So ähnlich würde fast jeder Schüler antworten. Doch wie läuft das ganze jetzt am Mufti Day ab? Mufi Days gibt es immer mal wieder. Am Anfang von meinem Aufenthalt fast jede Woche, aber das hat zum Glück (!!!) abgenommen und ist jetzt nur noch seltener. Es gibt viele die extra für den Tag extra shoppen gehen um das perfekte Outfit zu haben, viele sind extrem gedresst und auch Make-up und Co. wird geradezu auf die Gesichter gespachtelt. Man könnte fast meinen, dass manche auf dem Weg zum nächsten Ball sind. Aber das finde ich alles gar nicht so schlimm. Dass aller schlimmste ist, dass abscannen. Du hast das Gefühl, dass dich jeder an Hand deiner Kleidung beurteilt. Du läufst rein und schon starren dich 20 Leute an, nur um zu sehen, was du trägst. Man fühlt sich ein bisschen wie an Fasching, wenn jeder den anderen mustert und über das Kostüm urteile fällt. Auch im Unterricht habe ich ständig das Gefühl von allen Seiten angestarrt zu werden und ich sitze da und fühle mich einfach total fehl am Platz und extrem unwohl. Sitz der Zopf richtig, ist mein Ausschnitt zu tief runter gerutscht, sind meine Schuhe noch zu, hängt irgendwo an ihnen Matsch, ist meine Wimpertusche verschmiert, war das wirklich die richtige Kleiderwahl? Und was ist wenn es gleich regnet? Meine Gedanken sind überall, bloß nicht beim aktuellen Mathe Unterricht. Man macht sich über alles Mögliche Gedanken und alles am Körper fühlt sich einfach falsch an. Ich hatte heute mehrmals das Gefühl, dass ich am liebsten aus dem Unterricht raus gerannt wäre. Auch wird man je nach dem, was man trägt anders behandelt. Wie sagt man so schön: Kleider machen Leute. Komm ich in Jogginghose und Schlabberpulli werde ich in die Ecke mit den Unterichtspennern und Leuten mit der Reaktion „Schule schieß egal“ abgeschoben und komm ich im etwas zu kurzem Sommerkleid mit großem Ausschnitt habe ich gleich ne Schar von Typen um dich rum. Doch was bin ich? Irgendwie kann ich das beim Mufti Day nicht so genau sagen. Man kann selbst bestimmen, welche Rolle man für den Tag einnehmen will. Will man der Streber sein oder die Bitch, der Rocker oder der Mann in Anzug und Krawatte, der Ökofreak oder der Sportler. Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich habe mir bei einigen schon ewig Gedanken gemacht, was einige den tragen werden. Bei manchen lag ich richtig, bei vielen aber komplett falsch. Deswegen machen Kleider für mich eventuell doch keine Leute. Deine Klamotten sind zwar ein Teil deiner Persönlichkeit, aber genauso wichtig, wenn nicht wichtiger ist deine Persönlichkeit. Und ich finde das ist um einiges leichter zu erkennen, wenn man kein Mufi träg. Es gab heute auch die Momente, wo ich mich selbst dreimal gefragt habe, wie ich mit der Person befreundet sein kann. Anhand von der Kleidung wäre ich nie im Leben auch die Idee gekommen sie  überhaupt anzusprechen, aber durch die Uniform hatte ich die Gelegenheit mein Urteil auf die wirklichen Charaktereigenschaften zu richten und nicht anhand von Klamotten gleich mal auszusortieren. Ob man will oder nicht macht der Kopf das automatisch. Man kann nicht aufhören Leute zu mustern und einzuordnen. Ich will das nicht, aber meine Gedanken waren heute im Unterricht hier und da und sind wild durcheinander über die verschiedensten Outfits gesprungen. Das lästern ist auch so was, was erst mit dem Mufti einsetzt. “Hast du gesehen was der trägt?“ „Wie findest du das?“ „Sieht scheiße aus“ „Wie kann man so rumrennen?“,… Und du möchtest wirklich am liebsten schreiend wieder zurück in dein Bett die Bettdecke über den Kopf ziehen und einen Tag krank spielen. Ich hasse ihn den Mufti Day.

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