Samstag, 6. Juni 2015

5 Tage Wochenende

Ja das bekommt man nicht so oft. Am Montag war Queens Birthday ein Feiertag, und weil‘s so schön ist gab es Dienstag noch einen freien Tag für alle Seniors um für Examen zu lernen, und da ich international Student bin und die Examen für mich nicht so die große Rolle spielen habe ich auch noch den Mittwoch als freien Tag aushandeln können. Party :D


Gemacht habe ich einiges, auch wenn die Sonne es nicht so mit dem Energie aufteilen hat. Am Wochenende war es genial und ich glaube so gutes Wetter hatte ich noch nie in Wellington und dann wurde es immer schlechter und ab Dienstag hat es nur noch geregnet. Vor allem in Wellington gab es noch einige Dinge, die ich unbedingt machen wollte bevor ich nach Hause gehe und am Wochenende habe ich es endlich geschafft fast alle übrigen Punkte auf meiner Liste abzuhaken. 


meine Gastschwester und ich beim Versuch den
neu erworbenen §12 Selfiestick auszuprobieren




Auf dem Programm standen neben Training, was es auch an Feiertagen und Wochenende gibt, der Besuch vom Parlament mit Führung, eine neue Ausstellung im Museum Te Papa, Japanisch + Chinesisch essen, eine große Shoppingtour in Wellington und eine große Shoppingrunde in der Mall in Lower Hutt. Und dazwischen ganz viel Spaß.

einer meiner Lieblingsplätze hier

ein Erinnerungsgebäude für irgendeinen super Hero


Was ist unbedingt hier erwähnen wollte ist der Besuch im Parlament. Zuerst ging es für uns durch die große Sicherheitskontrolle, die ihr euch wie beim Flughafen vorstellen könnt. Taschen werden durchleuchtet, ihr müsst durch das Ding laufen, was piept (sorry mir fällt gerade das deutsche Wort dafür nicht ein :D) und ihr werdet abgetastet. Das übliche Prozedere. Ich musste sogar Handy und Kamera abgeben und habe sie erst nach der Führung wieder bekommen. Die hatten wohl Angst, dass das schöne Parlament von Deutschland kopiert wird und geheime Infos über meinen Blog weitergegeben werden. Hahaha :D Die Führung war sehr interessant. Die Neuseeländer sind sehr sehr stolz auf ihr Parlament und lassen sich das auch anmerken. Das alte aber sehr schöne Gebäude wird Hochgelobt ohne Ende. In Deutschland wäre zumindest der alte Teil, entweder abgerissen oder er würde noch stehen, weil irgendjemand beschlossen hätte, dass das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Der Hauptsaal besteht fast komplett aus dunklem Holz und aus ein paar dunkelgrünen Leder Sesseln.

ich fand hier musste einfach ein Bild hin
und da ich selbst keins machen durfte,
habe ich das von der offiziellen Homepage des Parlaments
Hier lagen die Gesetzentwürfe für abends schon bereit und wir durften schon mal einen Blick reinwerfen. Für Wellington gab es nichts, aber Christchurch kann sich bald über neue Gesetzte freuen :D. Hier sieht man mal wieder wie locker die Neuseeländer doch sind, in Deutschland undenkbar. Was auch sehr interessant ist, ist das beim Gesetzgebungsprozess JEDER (egal wie alt, aus welchem Land,…) an das Parlament schreiben kann und es wird jeder Brief bis zum Ende vorgelesen. Natürlich nicht im „großen“ Parlament, aber in einer kleineren Gruppe, die wie unser Bundesrat arbeitet. Es hat auch jeder das Recht in diese Gruppe persönlich zu kommen und seine Anliegen zu schildern. Demjenigen kann dabei nichts passieren und er kann theoretisch sagen was er möchte, da er in dem Moment unter dem Schutz der Queen steht. Find ich total interessant. Aber ich glaube auch dass so ein Gesetz echt ewig braucht, wenn jeder dahin schreiben kann und wirklich ALLES vorgelesen werden muss. Ich habe mir echt überlegt da einen langen Brief hinzuschrieben einfach um die unnötig rum hocken zu lassen :D

Und noch was möchte ich euch nicht vorenthalten. Und das ist die neue Ausstellung im Museum Te Papa. Sie ist über den Krieg und wie er aus den Augen eines Neuseeländers aussah. Da für die Ausstellung sogar Werbung im Fernsehen kommt mussten wir einfach hin. Und es war sehr sehr interessant.

hier mussten wir ganze 70 Minuten anstehen
Die Ausstellung ist genial gemacht und mit vielen Kriegerzählungen und Geschichten unglaublich gut gestaltet. An einer Stelle war ich kurz davor zu weinen, weil die Geschichte so berührend war. Es gibt jedoch was, was einfach anders ist zu Deutschland. Und zwar werden die Neuseeländer die in den Krieg gezogen sind als Helden gefeiert. Sie haben gekämpft, ihr Land repräsentiert und sind in Ehren gestorben. Niemals würde man in Deutschland auf die Idee kommen die deutschen Soldaten und Hitler als Helden zu feiern. Wir bekommen beigebracht, dass der Krieg etwas war, was sich nie wiederholen soll und müssen in der Schule bis zum Ermüden lernen, was für Fehler damals gemacht wurden. Wenn hier jemand auf die Idee käme Hitler als Helden zu ehren würde man als Nazi bezeichnet werden. Etwas Schlechtes, was in der Gesellschaft nicht gesehen werden möchte. Zudem hatte ich in der Ausstellung das Gefühl, dass Neuseeland um jeden einzelnen Helden unglaublich trauert. Wenn man Opferzahlen vergleicht hat Neuseeland mit weitem nicht die meisten Verluste. Hier wird es aber so dargestellt, als gäbe es nur den Krieg, wo Neuseeland kämpfte und unglaublich viele Menschen verloren hat. Was im Rest der Welt abging spielt hier keine Rolle. Am Rand wurde, neben Russland, mal die Rolle von Großbritannien, Deutschland und Frankreich erwähnt. Aber das war‘s dann auch. Ich erinnere mich noch an eine Statistik und da wurde gezeigt, das 97% Neuseeländer bei der Schlacht bei Gallipoli gestorben sind und nur 1% Franzosen. Das Frankreich da aber nicht mitgekämpft hat wurde nicht erwähnt. Es wurde groß in den Vordergrund gebracht, was für Verluste Neuseeland hatte und wie fein raus andere Länder waren. Was definitiv nicht stimmt. Ich will damit nicht sagen, dass die Ausstellung schlecht ist, dass ist sie nämlich definitiv nicht. Ich möchte nur versuchen zu erklären, wie anders Neuseeland den Krieg betrachtet.

Zusammengefasst habe ich am Wochenende wieder einiges dazugelernt. Es ist wirklich interessant live zu sehen, was andere Länder mit ihrer Politik machen und wie Neuseeland auch hier das Leben einfach mit der relaxten Art angehen lässt. Wenn neun Leute Briefe schreiben, dann werden auch neun Briefe vor der gesamten Versammlung vorgelesen. Es spielt keine Rolle, wenn das Gesetz dann Ewigkeiten braucht. Und auch in Sachen Krieg war echt unglaublich interessant das ganze aus Neuseeländischer Sicht zu sehen.


 Und das beste zum Schluss. Warum ich es liebe nach Wellington mit dem Zug zu fahren. Die Aussicht ist einfach genial. Man fährt direkt neben dem Wasser und hat eine Sicht wie im besten Märchenbuch :D



P.S. alle Bilder sind am Samstag und Sonntag aufgenommen, da es an den anderen Tagen so stark geregnet hat, dass ich meine Kamera lieber in meiner Tasche gelassen habe :D

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