Mittwoch, 29. April 2015

Anzac Day - wenn Geschichten des Krieges wieder lebendig werden

Feiertag, lange schlafen,… die meisten denken jetzt das hört sich doch echt verlockend an. Aber wenn ich ehrlich bin, wollte ich den Feiertag echt nicht. Das hat jetzt nicht mit Schule zu tun, sondern eher mit dem Geschichtlichen Zusammenhang und damit, dass wenn Kriegsgeschichten ausgepackt werden, du als Deutsche einfach keine Chance hast blöden Kommentaren zu entgehen. Aber ich fang mal von vorne an.


Was ist der Anzac Day eigentlich und was ist damals passiert?
Am 25. April 1915 landeten Soldaten auf der türkischen Halbinsel Gallipoli, was damals türkisches Territorium war und auch einen Teil des deutschen Omanischen Reichs gebildet hat. Die Neuseeländischen und Australischen Truppen (ANZAC Australian and New Zealand Army Corps) waren dort als ein Teil eines Plans vorgesehen. Sie sollten den Kanal von Dardanellen zu den Verbündeten Flotten zu öffnen und dem Osmanen Hauptstadt Konstantinopel (jetzt Istanbul) zu drohen. Doch die Australische und Neuseeländische Gruppen sind auf unglaublich starken Widerstand gestoßen und beide Seiten haben ordentliche Verluste einstecken müssen. Sehr sehr viele Männer sind in dieser Schlacht gestorben. 44 000 britische und französische Soldaten, über 8 700 Australier und 2 779 Neuseeländer (1/5 der Truppe die dort kämpfte) und 87 000 türkische Kämpfer. 

Wer jetzt denk es handelt sich hier um ein kleines Ereignis, völlig falsch. Da das Ereignis genau 100 Jahre in der Vergangenheit liegt wurde das Ganze noch viel größer ‚gefeiert‘ als sonst. Überall hängen Flaggen, die auf den Tag aufmerksam machen, kleine Papier- Mohnblumen zum Anstecken wurden verkauft und an vielen Öffentlichen Plätzen wurden Gedenkstätten eingerichtet. Man sieht viele weiße Kreuze mit Namen, die von Verwandten kommen auf freien Wiesen, die erinnern um wie viele Neuseeländer es wirklich gestorben sind und es kommen Sondersendungen im Fernsehen, die den Leuten verdeutlichen, was wirklich geschah. Zum ersten Mal wurden Tagebucheinträge, Briefe,… vorgelesen und alte schwarz weiß Fotos gezeigt. Dinge, die noch nie veröffentlich wurden, Geschichten, die noch keiner kannte. Erinnerungen, Schock, Trauer. In den letzten Tagen kamen bei vielen Neuseeländern viele Emotionen hoch. Da es ein wirklich besonderes Ereignis war haben die Fernsehsendungen so ziemlich jeden Kanal eingenommen und das seit Freitag. Und man sieht zusätzlich jeden zweiten, dem man über den Weg läuft, mit einer Mohnblume angesteckt als Gedenkzeichen. Neuseeland im Trauer und Nachdenklichkeit. Und ich als Deutsche mittendrin.

Ich weiß, ich bin für die Geschichte unseres Landes nicht verantwortlich. Ich weiß, ich kann daran nichts ändern. Ich weiß, dass das in der Vergangenheit liegt und vorbei ist. Ich weiß, dass keiner sagen kann ICH sei schuld. Ich weiß aber auch, dass andere Länder das anders sehen und damit wurde ich in den letzten Tagen ziemlich stark konfrontiert. Wenn im Radio Briefe und Tagebucheinträge vom Krieg vorgelesen werden und der Deutsche ohne mit der Wimper einen Neuseeländer kaltblütig erschossen hat. Wenn die Deutschen nicht Menschenwürdig handeln sie die Macht ergreifen und Menschen erschießen, die nicht das tun, was sie erwarten. Wenn Deutsche Schuld sind am Tod des Großvater, der eine hungrige Familie zurück lässt. Wenn Deutsche dafür verantwortlich sind, dass ein Land komplett zerstört wurde. Wenn... Ich könnte noch weitere Beispiele bringen, aber ich sag’s so egal wo ich war, egal wann, egal mit wem irgendwie kam immer eine Geschichte mit dem bösen Killer Deutschen. Und dann fangen Menschen an Fragen zu stellen und blöde Kommentare abzugeben. Ich kann sagen, dass das sicher nicht auf alle zutrifft aber ich war in den letzten Tagen eine nicht so gerne gesehene Person und da fühlt man sich einfach total unwohl und schlecht. Ich kann die Geschichte von Deutschland nichts, aber so etwas prägt. Egal wo man sich befindet es gibt immer die Leute, die einfach extrem bescheuerte Fragen stellen und Dinge sagen, die sie zwar nicht wirklich so meinen, aber so direkt kommen, dass du wirklich erst mal schlucken musst. Das war besonders am Anzac Day und da muss man schon stark bleiben um damit umgehen zu können. Doch auch im Alltag bekommt man manchmal komische Kommentare, kaum wird im Unterricht ein Thema zum Krieg angeschnitten, hat irgendwer nen Kommentar parat. Manchmal kann man drüber lachen und manchmal würde man dem gegenüber einfach nur eine rein hauen, um ihn zu zeigen, dass er zu weit gegangen ist. Ich wurde schon gefragt ob ich Hitler persönlich getroffen habe, er mit mir Verwandt ist, warum ich noch lebe du hast doch braune Harren?, ob ich den Nazis angehöre? wir zu Hause Bilder von Hitler hängen haben, die wir anbeten und und und. 

Doch wie wird man damit fertig? Wie geh ich damit um?
Das ist nun mal unsere Geschichte da kommt man glaub ich nicht drum herum egal wo man ist. Aber man muss das so sehen, Deutschland erzählt von klein auf den Kindern, was wirklich passiert ist und schildert, was mies gelaufen ist und welche Fehler sie gemacht haben. Schon mal die USA, China oder Japan offen über den Krieg reden hören und die unmenschlichen Dinge, die das Land damals gemacht hat? Wohl eher nicht. Deutschland ist das EINZIGE Land, das offen über die Vergangenheit redet. Da kann und sollte man wirklich stolz drauf sein. Und falls dann jemand nen "Hitler Kommentar" abgibt erzähl ich, wie das wirklich war und dass nicht nur Deutschland große Fehler gemacht hat. Nur ist Deutschland einfach so offen über die Fehler zu erzählen und die Gesellschaft aufzuklären, damit sie sich auf keinen Fall wiederholen. 

Doch der Tag hat nicht nur negative Seiten gebracht. Letzte Woche war ich mit ein paar Leuten aus meinem Musikkurs auf einem Konzert des Neuseeländischen Symphonie Orchesters (NZSO) in Wellington. Das Konzert wurde speziell für den Anzac Day geschrieben und bei zwei der Stücken handelte es sich um eine Weltpremiere, die an diesem Abend zum aller ersten Mal aufgeführt wurden. Und ich war live dabei. Jippi :D

Ich fand das Konzert unglaublich toll und ich kann zwar nicht sagen, dass ich alle Stücke von Anfang bis Ende gut fand, jedoch so im Großen und Ganzen war es wahnsinnig toll. Das war mein aller erstes Konzert, indem moderne neue klassische Musik aufgeführt wurde. An manchen Stellen konnte ich mit der Musik einfach überhaupt nichts anfangen, aber dann kamen auch fantastische Passagen, die ich in der Form nie gehört habe. Mir haben bei dem Schlusslied die Bläser sehr sehr gut gefallen. Die Trompeten haben  in das Instrument geblasen und mit der Hand das Mundstück bedeckt und wieder geöffnet. Dabei entsteht ein unglaublich cooler Sound. Nach drei/vier Mal haben die Hörner den Sound weitergeführt und dann ging es durch alle Bläser durch. Das war einfach das Beste vom Besten. Was  mich auch beeindruckt hat, dass ein Stück mit dem ganzen Orchester, einer Opernsängerin und einem Sprecher aufgeführt wurde. Der Sprecher musste immer genau im Takt sprechen, sonst wäre die instrumentale Begleitung nicht passend gewesen. Eine Wahnsinns Leistung. Ich könnte nie eine ganze Geschichte erzählen, während ich bei jeder Silbe aufpassen muss den richtigen Ton und Takt zu treffen. Ansonsten hatte die Konzerthalle eine richtig schöne Akustik und ich hatte ein wenig Angst zwischen all den Leuten verloren zu gehen :D

die Bilder habe ich in der Pause gemacht,
deshalb sieht es eventuell auf manchen Plätzen etwas leer aus.
In Wirklichkeit war es gestopft voll und es gab keinen einzigen freien Platz

Anmerkung: ich glaube an manchen Stellen diese Posts spreche ich klar gegen die rassistische Einstellung und die blöden Kommentare von einigen Neuseeländern. Man muss jedoch beachten, dass es sich hier nicht um alle handelt, sondern nur um ein paar. Und ich kann auch nicht im Allgemeinen sagen, dass es jedem deutschen so ergeht, jeder macht mit Kriegsgeschichten seine eigenen Erfahrungen. Und das sind meine.

Montag, 27. April 2015

Halbzeit! Ist es wirklich schon so weit?

Als ich noch zu Hause war, fand ich es total interessant von anderen Austauschülern zu hören, wenn sie erzählten, wie es ihnen in ihrem Jahr Overseas ging und was sie alles erlebt haben. Eine Sache, die mir alle erzählt haben war, dass man nicht merkt wie verdammt schnell die Zeit umgeht. Dass die Zeit einfach nur so an einem vorbeirast und bis man es realisiert  schon die Hälfte um ist. Und das schlimmste man kann die Zeit nicht aufhalten. Und sie hatten Recht.



Euch kommt es vielleicht so vor als wäre ich schon Ewigkeiten weg, aber für mich fühlt sich so an, als wäre ich erst vor ein paar Wochen hier angekommen. Es ist so, dass man nicht wirklich merkt, wie schnell die Zeit vorbeigeht. Ich habe von meinen Klassenkameraden zum Abschied einen Kalender mit selbstgestalteten Zetteln bekommen. Jeden Tag darf ich einen Zettel lesen und das, was mir sagt, dass schon wieder 5 vergangen sind, wenn ich an meinem Kalender 5 Zettel auf einmal lesen muss. Und dann wird mir klar, dass schon wieder 5 Tage vergangen sind ohne dass ich das wirklich gemerkt habe. Ich erlebe jeden Tag irgendetwas neues Spannendes. Jede Sekunde passiert irgendwas, was den Tag zu etwas besonderem macht. Und ihr kennt das bestimmt, wenn euch irgendwas wahnsinnig gut gefällt und ihr eine Menge Spaß habt, vergeht die Zeit wie im Flug. Und so ähnlich ist das bei einem Auslandsjahr. Wenn man drüber nachdenkt habe ich schon unglaublich viel erlebt und soo viele Eindrücke bekommen und Erfahrungen gesammelt, dass mein Blog viel zu kurz ist, um das alles zu erzählen. Das sind Eindrücke die ein ganzes Leben lang in Erinnerung bleiben und die dich mehr oder weniger auch verändern. Und jetzt komm ich zum schwierigen Part von diesem Eintrag. Denn es ist ziemlich schwer über sich selbst zu sagen, WIE man sich verändert hat. Ich bin mir sicher ich bin offener geworden. Offener gegenüber anderen Menschen. Bevor ich nach Neuseeland gekommen bin, bin ich so gut wie nie auf andere Leute zugegangen und habe sie gefragt, ob ich die Pause nicht mit ihnen abhängen kann, ich habe immer daran gezweifelt dann dazustehen wie ein Idiot. Aber jetzt ist sehe ich solche Situationen einfach anders. Ich gehe lieber auf Leute zu und fange an mit ihnen zu reden, als mich Ewigkeiten alleine zu langweilen. Auch glaube ich, ich bin noch fröhlicher geworden und noch mehr strahle. Es ist nicht so, dass ich in Deutschland nie gelacht habe, ich fand es immer total lustig im Supermarkt gestresste Leute mit Anzug und Krawatte einfach an zulächeln und die verwirrte Reaktion abzuwarten. Die Leute sind so im Stress, dass ein kleines Lächeln sie völlig aus der Rolle schmeißt und sie einige Sekunden brauchen um zu begreifen, dass du sie gerade angelächelt hast. Doch dann lächeln sie zurück und eine Sekunde vergessen sie, dass sie gerade völlig im Stress sind. (Müsst ihr bei Gelegenheit unbedingt ausprobieren :D) Eine Sache, die ich hier einfach in Neuseeland liebe ist, dass die Leute einfach immer mit einem Lächeln durch den Alltag laufen. Und lächeln steckt einfach an :D Ich bin stärker und selbstbewusster geworden. Ich habe gelernt, Dinge alleine zu regeln, Sachen selbst in die Hand zu nehmen und umzusetzen. Ich habe begriffen, nicht an mit selbst zu zweifeln, denn wenn man wirklich will, kann man alles schaffen. 

In manchen Dingen habe ich andere Ansichten bekommen. Und auch hat sich meine Meinung in vielen Punkten geändert. Was hat das mit dem Austauschjahr zu tun? Ziemlich viel, denn man lernt so viele Leute kennen und hört Geschichten über Menschen, die einen zum Nachdenken bringen. Man bekommt einfach selbst einen Eindruck, dass es nicht nur dich mit deiner Meinung gibt, sondern noch viele andere Ansichten. Durch das, das man reist lernt man nicht nur andere Kulturen und Ländern kennen, man lernt auch unglaublich viel über sich selbst. Dinge die ich davor nicht über mich wusste. Wo meine persönlichen Grenzen sind, wie weit man gehen kann, was einen ausmacht, wer ich selber bin,…

Mein Englisch ist um einiges besser geworden. Ich kann nicht sagen, dass ich perfekt spreche und das werde ich nach dem halben Jahr auch bestimmt nicht. Aber ich merke, wie ich nach und nach anfange mehr zu verstehen. Songtexte ergeben langsam Sinn und haben einen tieferen Hintergrund. Auch wenn ich in Deutschland schon dachte ich könnte sie verstehen muss ich sagen ich habe immer nur die Hälfte verstanden. Ich dachte man muss immer alles übersetzten, um etwas richtig verstehen zu können. So im Kopf das Deutsche oben drüber sagen. Aber das braucht man nicht wirklich. Nach 3 Monaten Neuseeland ist es einfach so, dass man es versteht ohne es zu übersetzten. Ich kann nicht erklären, wie das funktioniert, es geht einfach. Auch sprechen klappt immer und immer besser. Ich kann mich erinnern wie ich am Anfang ziemlich schüchtern in Gesprächen war und lange vorher überlegt habe, was ich wirklich sagen will. Und dann noch 10 mal den Satz vorher durchgegangen bin, um sicher zu sein, dass das so stimmt. Jetzt klappt das von allein. Ich rede mehr drauf los. Auch wenn meine Grammatik glaube ich ab und zu kreuz und quer ist. Und manchmal denke ich mir nach einem Satz: Sag mal, bist du jetzt total bescheuert, du weißt doch, dass das nicht so heißt. Aber auch das wird weniger, wobei meine Grammatik an manchen Tagen wirklich im Bett liegen geblieben ist. Aber das ist nicht das, was reden ausmacht. Solang dich dein Gegenüber verseht ist das super :D Grammatikfehler sind Schönheitsfehler. Man braucht auch nicht immer das Wörterbuch nebendran. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht mal eins mit nach Neuseeland genommen. Das steht zu Hause im Schrank. Und ich bin froh drum, das wär einfach überflüssig. Ich habe eine Wörterbuch App auf dem Handy und die hilft da ganz gut aus. Und um ehrlich zu sein braucht man auch die eigentlich nicht. Es geht viel schneller, wenn man sich das gemeinte erklären lässt, als das Handy raus zu holen um es nachzuschlagen. Hat ein bisschen was von Begriffe raten wie bei Activity und das ist manchmal unendlich lustig. 

Auf der einen Seite wird mein Englisch jeden Tag besser, auf der anderen Seite wird mein Deutsch aber auch schlechter. Ich merke, dass ich immer mehr Fehler mache. Groß und Kleinschreibung und Kommasetzung sind zwei Sachen, die ich so gut wie gar nicht mehr kann. Ich merke, wie beim Bloggen immer mehr Wörter rot unterkringelt werden und ich bin mir sicher, dass meine Texte auch immer mehr Grammatik und Rechtschreibfehler enthalten. Ich glaube auch mein Schreibstil hat sich verändert, aber ich glaube das könnt ihr 100-mal besser beurteilen. Auch habe ich angefangen Wörter zu vergessen. Bitte wer braucht den die Wörter Ladekabel, Kühlschrank, Wäschetrockener, Steckdose, Gartenschere,...? Manchmal fällt mir wirklich das deutsche Wort nicht ein und es ist einfach weg :D

Außerdem bin ich relativ spontan geworden. Ob ihr das gut oder schlecht findet, mag mal dahin gestellt sein. Aber ein positiver Nebeneffekt des Spontanseins ist, dass man einfach relaxter durch den Tag geht. Man rennt nicht von Schule zu Sport und zur nächsten Verabredung. Ich regle das alles ziemlich spontan. Es muss nicht alles geplant sein es geht auch ohne. 

Wenn ich in den Spiegel schaue, bin ich immer noch das gleiche Mädchen, was  ich vor 3 Monaten war. Das einzige was ich merke ist, dass meine Haare immer länger werden und mir sagen, dass wirklich schon ein viertel Jahr rumgegangen ist. Und die steigende Anzahl von Post auf meinem Blog. Trotzdem hat sich noch einiges mehr verändert, was man auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt sieht. Ich glaube, wenn ich zurück bin merkt ihr davon noch viel mehr. Denn es ist wirklich schwer über dich selbst zu sagen, wie du dich verändert hast. 

Ich habe zur Halbzeit auch über meinen Kofferinhalt etwas nachgedacht und bin zu einer klaren Meinung gekommen:
  • Die zwei wichtigsten Sachen in meinem Koffer sind meine Sportschuhe und meine Deutschland Flagge mit euren Namen, die mich immer daran erinnern wo mein eigentliches zu Hause ist. 
  • Die zwei unnötigsten Gegenstände in meinem Koffer sind eine schicke weiße Bluse, die ich wahrscheinlich nie anziehen werde, da ich ja eh genug weiße Hemden von der Schuluniform habe und mein Mathe Buch, das ich mit guten Vorsetzten mitgenommen habe, aber letztendlich noch kein einziges mal aufgeschlagen habe. 

P.S. Das ist mein 50. Post und ich wollte ihn zu einem besonderen machen. Ich habe wirklich noch nie so viel über mich selbst nachgedacht, seit ich hier bin. Nie reflektiert, was alles passiert ist, wie unendlich viel ich erlebt habe und irgendwie hat es mich erstaunt, wie viele Wörter ich jetzt über das schreiben konnte (~1500). Mir geht es unglaublich gut und ich Zweifel keinen Moment daran Neuseeland als Land ausgesucht zu haben. Es ist perfekt und je mehr man davon sieht und je mehr man erlebt, desto mehr verliebt man sich in das Land und desto mehr weiß ich, dass es einfach die richtige Entscheidung war. Ich wünsche mir das die nächsten 3 Monate genauso toll werden und das Neuseeland ein Abendteuer wird, was ich nie vergesse :D

Freitag, 24. April 2015

Back to school

Nach den Ferien ging auch für mich am Montag wieder die Schule los. Begrüßt wurde ich mit einem Fechttraining, das einen echt umgehauen hat. Nach den Ferien wurde so als wieder reinkommen doppelt so hart aufgetragen wie sonst. Und ich bin Montagabends halb Tod zu Hause angekommen. Und wenn ich halb Tod sage, meine ich das auch.


Man könnte jetzt denken es geht alles so weiter wie im letzten Term, aber das stimmt nicht so ganz. Ich habe mich dazu entschlossen zwei Fächern zu wechseln und zwar: Physik zu Economics (Wirtschaft) und Fotografie zu Media. 

Economics gefällt mir richtig gut, auch wenn erst jetzt alles anfängt nach einer Woche langsam Sinn zu machen. Hier habe ich, wie am Anfang in Physik, leichte Startschwierigkeiten. Ich habe mich in Deutschland nämlich noch nie wirklich über Wirtschaft in Englisch unterhalten. :D Physik habe ich gewechselt, weil ich für den Kurs hier zu gut war. Erst hatte ich ziemliche Probleme das alles zu verstehen und als ich das nötige Vokabular zusammen hatte wurde es wirklich langweilig. Ich mein die größte Schwierigkeit war sich aus Themen aus Klasse 8 zu erinnern. Vor den Ferien hat sich mein Physik Lehrer beschwert, dass ich zu gut für seinen Kurs bin und dass ich seinen ganzen Unterricht völlig durcheinander bringe. Er hat dann an mir gezweifelt, ob ich nicht doch viel zu schlau für die Schule hier wäre. Und ich saß da und konnte einfach nicht aufhören vor mich hin zu grinsen. Ich mein man bekommt nicht alle Tage von seinem Lehrer gesagt, dass man viel zu gut ist. Und das als Mädchen in einem Kurs mit 85% Jungs. Ja die ham gestaunt :D

Warum ich Fotografie gewechselt habe, ist leider nicht s spannend. Denn in dem Kurs lief einfach nichts. Ich habe einfach von Fotografie eine komplett andere Vorstellung gehabt. Ich dachte man lernt mehr über Kamera, wie man sie bedient, gut Fotos macht,… Leider lernt man das aber in Year 12 und Fotografie hatte ich in Year 13. In meinem Kurs haben wir mehr oder weniger die ganze Zeit über berühmte Fotografen recherchiert und geredet. Ich mein es ist echt spannend sich Fotos anzuschauen und über die verschiedenen Techniken zu diskutieren, aber nach einer Zeit wurde das einfach manchmal echt langweilig. Es ist nicht so, dass Photographie kein gutes Fach ist, überhaupt nicht, aber ich wollte die Chance auch nutzen noch ein anderes Fach auszuprobieren. Und so bin ich in Media gelandet. Media (Medien) ist ein Kurs der sich mit Medien (Nachrichten, Filme, Zeitung,…) beschäftigt. Man dreht selbst seine eigenen Filmtrailer, erstellt Filmplakate und lernt wie man mit Kamera und all den Dingen umgeht, die zu einem Film etc. gehören. Diesen Term starten wir damit, Nachrichten zu drehen. Mit allem drum und dran. Nächstes Wochenende findet außerdem der 48 Stunden Film Wettbewerb statt. Wir „übernachten“  in der Schule und erstellen in 48 Stunden einen Kurzfilm. Konzept, Texte, Drehplanung, Outfits, Drehen, Schneiden, Zusammenfügen,… Alles von Null bis zum fertigen Film. Zum Schlafen werden wir sehr wahrscheinlich nicht kommen, denn schon jetzt ist klar, dass es eine Menge zu tun gibt. Ich freu mich auf jeden Fall unglaublich drauf.

Da die meisten wahrscheinlich schon längst wieder vergessen haben, was ich sonst noch für Fächer habe, hier nochmal als Überblick:

  1. Outdoor Education
  2. Economics
  3. Mathe
  4. Englisch
  5. Musik
  6. Media

Auch mit meiner großen Karriere als Profi Sportler hat sich einiges geändert.
Neben dem Fechten hatte ich nämlich ganz am Anfang geplant in das Handball Team der Schule zu gehen. Leider kam dieses auf Grund zu wenigen interessierten nicht zu Stande. Ich war darüber nicht unglücklich, denn ich hatte mit dem Fechten eigentlich genug zu tun. Doch mein Koordinator war der Überzeugung, dass ich mindestens zwei verschiedene Sportarten machen soll, um möglichst viele neue Leute kennen zu lernen. Und ich finde er hat total Recht. Man wir richtig gut aufgenommen in einer Gruppe, wenn man die gleichen Dinge tut, dieselben Interessen hat und zusammen unter den harten Trainingsmethoden leidet. Das schweißt eine Mannschaft einfach zusammen. Herkunft und Alter spielen überhaupt keine Rolle. Jeder ist willkommen. Doch da es dann leider Handball Team gab, hat meine Schule beschlossen Handball als Pausensport anzubieten. Jeden Donnerstag in der Mittagspause, habe ich mich also in meine Sportuniform geworfen und bin zum Training gegangen. Wir haben kein richtiges Team, aber wir sind eine nette Gruppe an Leuten, die einfach eine neue Sportart ausprobieren wollten. Leider war das Angebot nur für Term 1 und da die Sporthalle für andere Sportangebote gebraucht wird kann Handball in Term 2 nicht mehr angeboten werden.

Neben Handball hatte ich am Anfang auch noch eine andere Sportart erwähnt und das war Futsal. Die meistens haben wahrscheinlich von dieser Sportart noch nie etwas gehört. So als kurze einfache Erklärung ist das so was Ähnliches wie Hallenfußball, mit leicht abgeänderten Regeln. Doch was wurde aus meiner Fußball Profi Karriere? Kurz gesagt nichts, Da auch hier das gleiche Problem, wie im Handball vorlag. Zu wenig Interessenten für die Mädchen Mannschaft.

Doch was mache ich jetzt in Term 2? Also nach wie vor Fechten und Boxen, wozu ich von meinem Fechttrainer mehr oder weniger gezwungen wurde es zu machen. Es ist einfach ein unglaublich guter Ausgleich zum Fechten. Und dazu habe ich mich heute für das Cheerleading Team der Schule angemeldet. Ja wirklich :D Barbara macht jetzt Cheerleading :D Ich weiß einige sitzen jetzt lachend vor dem Laptop, Handy, …  und stellen sich vor wie ich da durch die Gegend hüpfe. Aber lacht nicht ich will’s wirklich mal ausprobieren und ich bin mir noch nicht so sicher, ob ich da nicht vielleicht mein Todesurteil heute unterschrieben habe. Aber ich muss sagen mein erstes Training heute war gar nicht so schlecht, also abgesehen davon, dass ich nicht ganz so beweglich bin und das mit dem Spagat wohl noch üben muss. Spaß hat es trotzdem gemacht und ich bin mal gespannt, wie das wird zwei Mal die Woche noch zusätzlich ins Cheerdeading zu gehen. 

Ich weiß jetzt nicht, wie weit drüber Overseas berichtet wird, aber hier in Neuseeland gibt es seit dieser Woche einige Erdbeben. Leider nicht nur so kleine Baby Dinger und der Spitzenreiter, diese Woche machte sich heute mit einer Stärke von 6,4 und 39 Sekunden bemerkbar. Vor allem in meiner Region (Rund um Wellington) ist es ziemlich unruhig. Aber ihr braucht euch keine Sorgen machen mir geht es gut und noch stehen die Häuser hier alle. Die Menschen vermuten, dass hier bald ein noch größeres Beben kommt. Auf der einen Seite freue ich mich da drauf, weil es echt total lustig ist, wenn alles wackelt, aber auf der anderen Seite will man auch nicht mittendrin sein wenn über einem die Welt instabil wird. Naja ändern kann man an den Beben nichts das sind Naturgewalten, die keiner beeinflussen kann. Ich bin jetzt in Neuseeland und die Erdbeben sind ein Teil vom Land, der einfach zu dazugehört.

Dienstag, 21. April 2015

Mount Cook

Nach Queenstown ging die Reise weiter über Cromwell nach Omaroma. Hier fand unsere Mittagspause statt und ich muss echt sagen hier gibt es nichts. Und wenn ich nichts sage meine ich auch nichts. Hier gab es nicht mal einen Supermarkt. Da mussten wir uns mit den teuren Sandwichs aus dem Café begnügen, die dann so gut auch nicht geschmeckt haben. Ich finde ja den Namen einfach nur lustig. Denn Omaroma klingt wie Oklahoma und das hört sich doch dann alles stark nach USA an :D Ob es dort ähnlich aussieht weiß ich nicht, aber ich wage es stark zu bezweifeln.

Nach einem nicht so gutem Essen ging es über Twizel zu unserer letzten Unterkunft in Mount Cook. Auf dem Weg gab es noch zwei weitere Stopps. Einen um Jetboot zu fahren. Das war der hammer. Dass es in Neuseeland begrenzte Autobahnen gibt finden viele Neuseeländer nicht so klasse und Deutschland wir um unbegrenzte Autobahnen echt beneidet. Aber Neuseeland hat definitiv unbegrenzte Flüsse. Das durfte ich an diesem Tag live miterleben. Und dann gehen die hier richtig ab. Ich habe keine Ahnung mit welchem Tempo wir da über den See gebrettert sind, aber es war verdammt schnell. Teilweise hat an manchen Stellen etwas Wasser gefehlt und wir sind mit dem Boot direkt über den Sand gejumpt. Aber hey kein Problem die fahren einfach 10 km/h mehr und springen über die Stelle. Auch wäre es ja langweilig einfach nur durch den Fluss zu fahren. So nehmen es sich die Fahrer als Herausforderung so nahe wie möglich an die Felsen rechts und links vom Fluss zu fahren. Einige Male waren wir dann doch etwas arg nahe dran und haben dem Felsen einen Bodycheck gegeben. Hey Felsen!! :D Trotzdem geht’s mir immer noch gut und außer ein bisschen arg viel Wasser habe ich nichts abbekommen. Doch da war noch was und zwar volle Ladung Spaßund gute Laune :D

da ging's mit gefühlten 120 km/h durch

ihr erkennt mich glaube ich an meiner Mütze:D
Der letzte Stopp war bei einem See. Und der sah sooooo unglaublich toll aus. Ein richtiges schönes türkis-blau, was auf den Bildern einfach nicht so toll rauskommt, wie es in Wirklichkeit war. Und mit den weißen Bergen im Hintergrund sah es noch 1000-mal schöner aus. Schnee hat doch eine unglaublich positive Seite zumindest auf Fotos :D

Am Abend sind wir in Mount Cook angekommen und in diesem Ort gab es noch weniger als in Omaroma. Also hier gab es NUR Hotels. Schlimm war es nicht, denn genug zu tun hat man an seinem letzten Abend immer. Um einfach ein bisschen draußen zu sein sind wir eine Runde laufen gegangen und das war echt schön. Man hat noch kleinere Schneereste gefunden, die gerade für ein zwei Schneebälle gereicht haben. 


Sonnenuntergang am Mt. Cook
Nach Sonnenuntergang kam natürlich nicht das Ende des Tags, denn wie so üblich "schläft" man in der letzten Nacht nicht besonders viel. Das ist doch überall das gleiche. Ich mein man kann unglaublich müde sein und halb Tod auf dem Bett liegen, aber trotzdem bleibt der Wille stark und man versucht so gut es geht das beste auf der letzten Nacht zu machen. Ganz durchgehalten habe ich zugegebenermaßen nicht. Doch ich glaube die eine Stunde Schlaf, die ich schussendlich noch bekommen habe, hat dann auch nichts gebracht. Schon um 4.30 Uhr mussten wir wieder aufstehen. Denn die ersten Flüge sind  um 11 Uhr in Christchurch gegangen und bis dahin mussten wir noch eine längere Busfahrt bewältigen. Mitbekommen habe ich von der Fahrt nicht so viel, außer das Einsteigen, die kurze Frühstückspause und das Aussteigen. :D Irgendwann muss man den Schlaf halt nachholen.
Das verabschiedet viel mir besonders schwer, denn irgendwie weiß man, dass man viele von den Leuten, die in den letzten Tagen richtig gute Freunde geworden sind wahrscheinlich nie wieder sieht. Wir haben zusammen Nächte lang über Gott und die Welt geredet, die „Angst“ vor verschiedenen Aktivitäten geteilt und einfach eine unglaublich tolle Zeit zusammen gehabt. Ich werde ganz dolle an euch denken und wünsche euch einfach noch eine weitere unglaublich tolle Zeit in NZ.

Und zu guter Letzt möchte ich mich bei allen bedanken, die es mir möglich gemacht haben an dieser Tour teilzunehmen. Vielen vielen Dank es war einfach soooo unbeschreiblich toll und ich bin so froh, dass ich die Möglichkeit hatte an diesem großen Abenteuer Südinsel teilzunehmen. Dankeschön!!!